Ein Gymnasium im Grünen

Einladung zu einem informativen Spaziergang rund ums Gymnasium

Eine der besonderen Vorzüge des heutigen Gymnasiums in Herzberg ist seine Lage. Es liegt nicht an einer belebten Straße, sondern mitten in ei­nem Park direkt an der Sieber. Wenn man hier die Fenster öffnet, empfängt einen nicht Verkehrslärm, sondern Vogelgezwitscher.

 

Die Sieber

Das heutige Gymnasium liegt direkt am Ufer der Sieber. Heute ist sie im Herzberger Stadtgebiet ein gezähmter Fluss. Oberhalb der Papierfabrik ist ihr Lauf hingegen noch unverbaut. Auf ihren Quellbereich in den Moorge­bieten des Oberharzes weist gelegentlich die braune klare Färbung des Wassers hin. Im Vorharz hingegen durchfließt sie ein Karstgebiet. Diese Lage bedingt, dass die Sieber im Sommer fast trocken fällt. Das Wasser versickert im zerklüfteten Untergrund, z.T. auch in Flussschwinden. So speist die Sieber auch die Rhumequelle. Im Herbst oder Frühjahr aller­dings lässt sich die Wucht erahnen, mit der sie früher regelmäßig halb Herzberg überflutete.

Im Oberlauf waren diverse Betriebe angesiedelt, die die Wasserkraft der Sieber zu nutzen und zu schätzen wussten. Papiermühlen, Holzschleife­reien, aber auch Bergwerksbetriebe.

Noch heute suchen nicht nur Kinder im Flussbett der Sieber nach kleinen blauen Steinen, die es in allen Schat­tierungen und Maserungen zu finden gibt und die als Rückstände der Erz­verarbeitung anzusehen sind. „Sieber­achat“ werden sie liebevoll genannt.

 

Der Sieberdamm

Weniger erfreuliche Rückstände aus den Bergwerksbetrieben - nämlich schwermetallhaltige Sedimente - wurden bei den Überschwemmungen durch die Sieber in Herzberg verteilt. Noch heute ist dieses nachweisbar, wenn auch nicht in solch bedenklichen Mengen, wie in einigen Orten im Oberharz.

Es waren wohl kaum diese Rückstände, sondern die Überschwemmungen als solche, die die Herzberger im 18. Jahrhundert veranlassten, einen Damm entlang der Sieber zu bauen. Eine Karte von 1753 zeigt noch die zahlreichen Flussarme, in die die Sieber sich bei Hochwasser natürlicher­weise aufteilte.

1787 wurde der Damm gebaut, wobei kleinere dammartige Maßnahmen schon 1700-1742 errichtet und 1750 verlängert wurden. Dadurch sollten Schäden an Anlagen der ehemaligen Gewehrfabrik, herrschaftlichen Guts­gebäuden und Verwüstungen von Gärten und Feldern vermieden werden.

Die Begeisterung darüber war nicht einhellig. Das Baumaterial wurde an Ort und Stelle entnommen und einige Bodenbesitzer fühlten sich dadurch geschädigt und klagten. Klagen gab es auch andersherum, denn immer wieder kam es vor, dass Anwohner Steine aus dem Damm heraus holten und verbauten. Das veranlasste die Stadt 1818 zu einem Aufruf: „Wer den Damm durch Herausnahme von Steine schädigt wird mit Gefängnis bis zu 48 Stunden bestraft.“

Dort, wo die Lonau in die Sieber mündet, hatte sich bereits auf natürlichem Wege eine Art Damm aus den gewaltigen Schottermassen der Sieber ge­bildet. Er bildete später die Grundlage für diesen Dammabschnitt.

Auf der anderen Seite der Sieber, die Seite des Gymnasiums, konnte die Sieber überlaufen und sich beruhigen. Als „Plantage von Eichen“ ist ein guter Teil des Gebietes des heutigen Domeyerparks in einer Karte aus dem Jahre 1772 verzeichnet. Nach oben angrenzend liegen dort zunächst „Gärten“ und darüber „Ländereien“ (Kartenabbildungen in: Herzberg – Wirt­schafts- und Sozialgeschichte. Grohmann. S. 149f)

An Steinhaufen, die durch Maschendraht befestigt waren, konnte sich das Wasser brechen. Bevor es zur Aufschüttung im Zuge des Stadion- und Gymnasiumbaus kam, lag das Ufer nur 80-100 cm höher, als das Fluss­bett.

 

Das Domeyerstadion

Ein Schild am Domeyerstadion verrät uns, dass es auf Initiative von dem 1907 geborenen Otto Dieterich gebaut wurde. Dem Antrag des VfL wurde vom Stadtrat entsprochen. Ende April 1949 erfolgte der erste Spatenstich. Die Einweihung konnte am 3. August 1952 gefeiert werden.

Damit stand es schon zur Verfügung, bevor 1954 der neue Schulkomplex in der Heidestraße errichtet wurde. Es diente vermutlich neben den Sport­vereinen dem Sportunterricht der überquellenden Nicolaischule, in der im Jahr 1951 etwa 1600 Schüler in 38 Klassen und 19 Klassenräumen unter­richtet wurden.

 

Der Lonauer Wasserfall

Der nahe gelegene Lonauer Wasserfall ist gewiss regelmäßig Ziel der Klassen des Gymnasiums. Mit über 10 m Gefälle ist er der einzige natürli­che Wasserfall im Westharz. Seine Entstehung verdankt er dem kleinräu­mig unterschiedlich ausgeprägten geologischen Untergrund.

 

Klimaschwankungen in den Kaltzeiten

Im Laufe der Kaltzeiten hat sich der Lauf der Flüsse Sieber und Lonau gra­vierend geändert. Ursache waren Klimaschwankungen gewaltigen Ausma­ßes. Feuchtwarme gemäßigte Perioden wechselten mit trocken-kalten Phasen ab, in denen der Boden dauerhaft gefroren war. Dementsprechend führten die Flüsse mal viel Wasser und große Kiesmengen mit sich, konn­ten sich gar nicht oder aber sehr stark eintiefen.

Der Wechsel zwischen Ablagern und Eintiefen erzeugte mehrere Kiester­rassen, die man jeweils einer bestimmten Kaltzeit zuordnen kann.

 

Lageänderungen von Sieber und Lonau

Schotterablagerungen von der Aue bis zum Schloss

So floss die Sieber z.B. in der jüngsten, der Weichsel-Kaltzeit durch die Aue und sorgte dort für die gewaltigen Kiesablagerungen, die heute abgebaut werden. Aus der zweiten, der Saale- Kaltzeit sind Schotter auf der Mahnte zu finden und die älteste (Elster)-Kaltzeit hat Relikte am Schloss, Heuer, Wahrberg und Papenberg hinterlassen.

Ein alter Verlauf der Lonau kann in der Nähe des derzeitigen Krankenhau­ses nachgewiesen werden. Dort muss sie während der ersten Kaltzeit vor etwa 500.000 Jahren geflossen sein. Die Mündung in die Sieber war da­mals wohl etwa beim Eichholz. Noch viel früher ist sie gar von Lonau aus über den Hägergrund und den Mühlenberg nach Hörden geflossen.

In der zweiten Kaltzeit, vor rund 100.000 Jahren, hatten sich Sieber und Lonau schon stärker angenähert, die Lonau mündete aber noch ohne be­sonderes Gefälle in die Sieber.

Schließlich erreichte das Flussbett der Sieber den vergleichsweise leicht löslichen Zechstein. Wir befinden uns hier direkt an der Grenze zwischen dem Harzgebirge und dem Vorland. Der „weiche“ Zechstein hat sich zun­genartig bis ins Siebertal abgelagert. Es ist ein Kalkstein, entstanden als unterste Ablagerungsschicht des gleichnamigen Meeres.

Die benachbarte Lonau hingegen musste versuchen, sich weiter in die harte Grauwacke einzugraben. Der Vorsprung der Sieber wurde immer größer, ebenso das Gefälle des Wasserfalls.

Der Prozess ist auch heute noch nicht beendet. Die Ausbildung des über 10 m hohen Wasserfalls wurde durch die neuzeitliche Flussbegradigung noch forciert.

 

Die Schlucht

Die Ausprägung der eigentlichen Schlucht verdanken wir einem weicheren Tonschiefer, der hier in der sonst grauen Grauwacke eingelagert ist. Wer genau hinschaut entdeckt eine rötliche Färbung des Gesteins. Seinen Ur­sprung fand es in einem feucht-heißen Klima, als sich Eisenverbindungen im Boden lösten und das darunter liegende Gestein rötlich färbten. Das ge­schah in der Rotliegend-Zeit nach der Auffaltung des Harzgebirges und kurz vor der erneuten Überflutung durch das Zechsteinmeer vor etwa 260 Mio. Jahren.

 

Anregung zum Wasserplantschen

Kleinlebewesen in Sieber und Lonau

Beim Suchen nach dem blauen „Sieberachat“ gerät man leicht ins Wasser. Wer sich nun den anderen Steinen zuwendet, wird bald zahlreiche kleine Lebewesen entdecken, deren Kurzbeschreibung hier helfen soll, sie beim Namen zu nennen. Gänzlich unwissenschaftlich, aber doch meist zutref­fend. Da haften zum Einen an vielen Steinen kleine „Steinhäufchen“. Dar­unter verborgen sind Köcherfliegenlarven. Wer es nicht glaubt, darf seinem Forscherdrang stattgeben und eins dieser Häufchen zerlegen: eine kleine Larve erscheint, die sich zuvor mühsam aus vielen kleinsten Steinchen die­sen Schutz zusammengebaut hat. Es gibt verschieden Sorten dieser Kö­cherfliegenlarven, auch solche die ihren „Köcher“ aus kleinen Ästchen zu­sammenfügen.

Ab Frühsommer findet man beim Umdrehen der Steine auch kleine Wesen, die schnell versuchen, wieder Schutz zu finden. Mit guten Augen oder einer hilfreichen Lupe wird man erkennen, ob es sich hier um eine Steinfliegen­larve oder eine Eintagsfliegenlarve handelt. Erstere steht für besseres Wasser und lässt sich an den zwei Fäden am Hinterleib erkennen, während die Eintagsfliegenlarve drei dieser Fäden aufzuweisen hat.

Mit diesen drei Larven kommt man bei der Wassergütebestimmung schon recht weit. Wenn viele vorkommen, ist das schon ein gutes Zeichen, desto mehr Steinfliegenlarven darunter sind, desto besser.

Natürlich gibt es auch Bachflohkrebse, Libellenlarven, etc, aber das führt hier zu weit. Nur: wenn es von roten Würmchen wimmelt- dann sollte man das Wasserplanschen beenden. Es sind wahrscheinlich rote Zuckmü­ckenlarven - und die halten sich eher in schmutzigem Wasser auf. Dies ist allerdings an Sieber und Lonau nicht zu erwarten.