Lara Herrmann bei der Schülerakademie

Wie alles begann…

Am Anfang dieses Jahres wurde ich völlig unverhofft von meinem Physiklehrer Herrn Wachsmuth angesprochen, ...

... ob ich Interesse an der Teilnahme an der Deutschen Schülerakademie habe. Neugierig informierte ich mich erst einmal, was das überhaupt ist:

Was ist eine Schülerakademie?

Jedes Jahr im Sommer finden sieben verschiedene Akademien an sechs verschiedenen Standpunkten in ganz Deutschland statt. Pro Akademie nehmen knapp 100 Jugendliche teil, insgesamt sind es fast 1.000 Schüler, die in 2018 bei einer Akademie der DSA oder ihrer Partner teilnahmen. Eine Akademie der Deutschen Schülerakademie besteht aus sechs Kursen mit jeweils bis zu 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Jeder Kurs wird von zwei Kursleitenden betreut. Während den 16 Tagen in der Akademie arbeitet jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer in einem Kurs eigener Wahl für eine Dauer von ca. 50 Stunden. Außerdem wird die Deutsche Schülerakademie von vielen verschiedenen Institutionen gefördert, wie u. a. auch von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin. Da sich erfahrungsgemäß weit mehr Schülerinnen und Schüler für die Kurse bewerben als Plätze vorhanden sind, kann nicht jede Empfehlung berücksichtigt werden. Im Jahr 2017 lag die Aufnahmequote bei 44,4 Prozent.

Die Bewerbung

Nach kurzem Nachdenken über die Frage, ob ich wirklich so ein Streber bin, habe ich aber, obwohl ich diese Frage mit einem klaren Nein beantworten kann, zugesagt. Daraufhin hat meine Tutorin, Frau Hillebrand, zusammen mit mir eine Bewerbung geschrieben.

Nach kurzer Wartezeit wurde ich von der Akademie aufgefordert, eine Kurswahl abzusenden. Als Wunschort für die Akademie habe ich Braunschweig und als Erstwunsch bei der Kurswahl „Woher weiß meine Suchmaschine, was ich meine? – Modellierung von Bedeutung“ angegeben.

Nach zwei Monaten im Mai habe ich dann tatsächlich die Teilnahmebestätigung in meinem Postfach gefunden. Die Freude war überragend, zumal ich sogar meinen Wunschort und -kurs bekommen habe.

Die Vorbereitung

Am 05. Juli sollte es dann schon losgehen. Hierzu musste ich noch ein Referat vorbereiten, da jeder Teilnehmer über ein für den Kurs relevantes Thema referieren musste. Aufgrund der Tatsache, dass es sich dabei um ein Thema gehandelt hat, von dem ich noch nicht einmal wusste, dass es existiert und sich im Anhang der mir zugeschickten Mail 25 Seiten Material auf Englisch befanden, habe ich mir dann erneut die Frage gestellt, ob ich wirklich für so eine Akademie geeignet bin – Aber da musste ich nun durch!

Meine Akademiezeit

Dann war es auf einmal so weit. Ich war unglaublich aufgeregt. Obwohl ich ein sehr kommunikativer und offener Mensch bin, erschienen mir die 16 Tage mit anderen Schülerinnen und Schülern zu verbringen, die ich vorher noch nicht kannte, doch ziemlich suspekt. Die Erwartungshaltung war, dass ich als einzige normale Person mit einem Haufen Nerds 16 Tage auf einem Platz verbringen muss, jedoch wurde ich eines Besseren belehrt und habe viele interessante, nette Leute kennengelernt. Schnell sind viele Freundschaften entstanden, wovon viele sogar noch über die Akademie hinaus anhalten. Ich habe Menschen getroffen, die eine ähnliche, vielleicht auch entspanntere, Einstellung zur Schule haben wie ich und wir konnten sehr viel voneinander lernen.

Am ersten Abend stand dann das erste Plenum auf dem Plan, welches in Zukunft jeden Morgen stattfinden sollte. Hierbei wurden uns Ablauf und Regeln der Akademie erklärt. Anschließend gab es bis Mitternacht ein Kennenlernen der Kurse. Alle Kursleiter der Akademie waren gerade dabei, ihre Doktorarbeiten zu schreiben und echt cool drauf.

Die erste Hälfte unseres Kurses hat sich hauptsächlich mit der Semantik beschäftigt und ihren damit verbundenen Unterpunkten, wie Syntax. Dies war nötig, um die Grundlage für das Programmieren mit Hilfe von Python, welches in der zweiten Hälfte anstand, zu legen. Mit der Programmiersprache Python haben wir anschließend ein Vector-Space-Modell implementiert.

Das Ziel der Kursleiter bestand darin, jeden Teilnehmer in den 16 Tagen gezielt zu überfordern, was bedeutete, dass man täglich über sein eigens Leistungsmaximum hinaus gefordert war. Für mich stellte das eine enorm anstrengende, jedoch auch spannende Erfahrung dar. Ich war so etwas aus der Schule nicht gewohnt und brauchte erstmal ein paar Tage, um mich an dieses Leistungsniveau zu gewöhnen.

Das allmorgendliche Plenum, welches nach dem Frühstück um halb Neun anstand, beinhaltete immer ein musikalisches Aufwärmprogramm und anschließend den Tagesablauf sowie das Angebot der kursübergreifenden Angebote, welche nach der ersten und zweiten Kursschiene stattfanden. Diese bestanden aus zahlreichen weiteren Aktivitäten, die wir größtenteils selbst gestalten konnten, wie zum Beispiel Theater, Musik, Exkursionen, Chor, Sport, Gastvorträge und sogar Meditation. Einige dieser Aktivitäten boten anspruchsvolle Auseinandersetzung in neuen, unbekannten Themen, andere haben einfach nur Spaß gemacht. Diesen kursübergreifenden Aktivitäten wurde wegen ihrer sozialen und interdisziplinären Bedeutung ein etwa gleicher zeitlicher Umfang im Tagesablauf eingeräumt wie dem Kursprogramm. Man hatte die Möglichkeit täglich neue Dinge kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln.

So kam es beispielsweise dazu, dass ich spontan in einer Rock-/Pop-Band gesungen habe! Da die Musik einen zentralen Platz einnahm, gab es am Ende der Akademie ein großes öffentliches Konzert in einer Kirche in Braunschweig, bei dem wir präsentieren konnten, was wir während der Zeit einstudiert haben. – Ein unvergessliches Erlebnis!

Zudem wurden wir jeden Morgen darauf aufmerksam gemacht, dass das Virus namens Schlafmangel die Akademie infizieren wird, welches sich bereits nach dem zweiten Tag bestätigte. Am Ende der ersten Woche stand dann noch eine Rotation an, in der jeder Kurs in einzelne Gruppen aufgeteilt wurde und ein Vortrag erarbeitet werden musste, der den anderen Kursen vorgestellt werden sollte. Dies hatte zum Ziel, dass man ebenfalls einen Einblick in die Inhalte des restlichen Angebots der Akademie bekommen konnte. Die letzten Tage der Akademie bestanden aus dem Schreiben einer Dokumentation, also einer akademischen Arbeit, in der jeder Kurs seine Inhalte wiedergab. Am letzten Tag der Akademie hat jeder Teilnehmer sein wohlverdientes Zertifikat erhalten.

Während der Zeit haben wir uns untereinander immer besser kennengelernt und sind immer mehr zusammengewachsen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ein Wiedersehen schnellstmöglich organisiert werden muss.

Das Erlebnis dieser Gemeinschaft, die gekennzeichnet war von einem unglaublich anregenden, offenen und toleranten Klima, ist für mich rückblickend die wichtigste und wertvollste Erfahrung. Ich bin unglaublich dankbar, dass es mir ermöglicht wurde, all dies zu erleben.

Lara Herrmann, 12Hb